Geht man von der Gesetzeslage aus, könnte man meinen, jede politische Arbeit für uns Menschen mit Behinderung erledige sich von selbst: Ob man das Grundgesetz, das Behinderten-Gleichstellungsgesetz oder die UN-Behindertenrechtskonvention nimmt – alle Facetten des Lebens scheinen längst zu unseren Gunsten geregelt zu sein. Doch die verheißungsvollen Paragraphen sind bislang kaum mehr als visionäre Ziele. Â
Keineswegs dürfen wir uns darauf verlassen, dass sich diese Vorgaben automatisch erfüllen. Zeit vergehen zu lassen, hilft da so wenig wie blindes Vertrauen auf Politiker und Behörden. Nein, hier sind wir persönlich gefordert, selbstbewusst, beharrlich und vehement für unsere Interessen einzustehen. Jeden Tag und in unserem direkten Umfeld müssen wir das einfordern, was uns vorerst nur theoretisch zugesichert ist. Wir – das sind wir Menschen mit Behinderung.Â
Verschieden – und doch vereinbar?
Doch bevor die Herkulesaufgabe gelöst wird, die Inklusion aller zu erreichen, müssen wir uns darüber klar werden, wer „wir“ sind. Klischees, gesellschaftliche Traditionen und politische Ideen haben uns zu einer Schicksalsgemeinschaft ernannt – aber sind wir darin wirklich verbunden? Sind wir eine Community, die untereinander vernetzt ist und in allen Belangen an einem Strang zieht? Bisher nicht. Wir sind auch keine Familie, Gattung oder Rasse, sondern eine unüberschaubare Masse von Individuen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Doch wir können zu einem „Wir“ werden, wenn wir uns als allgegenwärtige Lobby für Menschenrechte begreifen lernen.Â
Partner kritisch prüfen
Dabei kann uns die UN-Konvention Richtschnur und Unterstützung sein. Auch die älter und gebrechlicher werdende Gesellschaft verleiht uns im Kampf um Barrierefreiheit weiteres Gewicht. Doch alle Institutionen und Firmen, die aus der Situation behinderter Menschen finanzielle Vorteile ziehen, sollten uns als politische Partner erst einmal suspekt sein. Anbieter von Wohnraum, Pflege, Assistenz oder Hilfsmitteln stehen nun einmal nicht auf derselben Seite des Tresens wie wir Kunden, die auf derlei Dienstleistungen angewiesen sind. Oder vertreten Arbeitgeber etwa die Gewerkschaften? Oder Großkonzerne den Verbraucherschutz?Â
Bei aller Skepsis dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir immer auf solidarische Unterstützer angewiesen sein werden. Unsere Behinderungen schränken unsere Möglichkeiten ein, und so kommen wir im Kampf für unsere Sache nicht ohne unabhängige Mitstreiter aus. Das Wichtigste aber ist, dass wir diese Weggefährten und unseren Kurs immer selbst bestimmen.Â

Kai Fischer lebt in Freiburg und engagiert sich dort im Behindertenbeirat der Stadt. Eigene Texte, Cartoons und Lieder präsentiert er auf www.kaifischernetz.de



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Ich finde es toll, so viele Jahre nach der deutschen Massenproduktion im Bereich Behinderung, daß auch kirchliche Organisationen erwachen. Habe ich doch bisher immer nur beneidenswerten Spott der Geistlichkeit erlebt, egal auf welcher Seite des “Tevere” sie nun stehen. Alle haben den Anspruch vertreten Mitarbeiter einer sozialen Organisation zu sein, wenn es aber darum ging soziales zu leisten, dann haben sie gegrinst und kläglich versagt wie die gesamte Sozialpolitik, wenn es um das Thema Behinderung geht.
Bitte betrachten Sie meine Worte nicht als Meckern, denn ich bin über das Aufwachen erfreut.
Allerdings betrachte ich Ihre< Offensive als gute Möglichkeit Geld zu verdienen. Schade, daß reiche Organisation bei der "Sozialarbeit" noch in den Geldbeutel der Armen greifen müssen.