Reicht mir endlich die Hand

Ich bin Ralf Pfeiffer. In meiner Welt sitze ich in einer Hochzeitskutsche, dabei rasen wir im Krankenwagen direkt zur Irrenanstalt. Sie binden mich fest. Ich versuche mich loszureißen, bin schweißgebadet. Mir ist kalt, ich schreie nach einer Decke, bekomme keine. Die Medikamente zeigen ihre Wirkung. Ich schlafe ein. Meine erste Nacht in der Gummizelle.

Ralf Pfeiffer berichtet aus seinem Leben:

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Irgendwann macht es Klick. Als ich zum zweiten Mal die Psychiatrie verließ, wusste ich, ich habe eine „schizophrene Psychose“. Die Diagnose: ein Schock für die ganze Familie. Ich hörte Stimmen, dachte, der Herrgott schwätzt mit mir, befiehlt mir zu predigen.

Heute, zwanzig Jahre später, geht es mir gut, ich bin mit Medikamenten optimal eingestellt. Ich bin kein Triebtäter. Aber das verstehen die Leute nicht. Manchmal reichen sie mir nicht einmal die Hand, aus Angst sich anzustecken. Es tut weh, ausgegrenzt zu werden.
Also bleibt man unter sich. Ich arbeite in einer Einrichtung der Caritas. Der geregelte Tagesablauf gibt mir Halt. Schon komisch, ein Feinmechaniker, der nun Wäsche mangelt. Trotzdem bin ich stolz auf mich.

Ich hatte mal Träume. Ich wollte eine große Familie, selbstständig sein, ein Café betreiben. Davon verabschiedet man sich. Heute lebe ich mit meiner Mutter in einer Dreizimmerwohnung, fahre nicht einmal mehr Auto. Aber ich gebe nie auf, versuche finanziell abgesichert zu sein. Ich würde gerne Australien sehen, aber eigentlich wünsche ich mir nicht viel. Nur, dass man uns nicht als Irre behandelt, uns endlich die Hand reicht.

Audio und Text: Nicole Heidrich

Eine Antwort auf Reicht mir endlich die Hand

  1. Markus sagt:

    Hallo,
    ich bin durch Zufall auf den Artikel gestoßen und wollte ihn eigentlich gar nicht lesen. Die ersten Sätze haben mich dann neugierig gemacht und bin jetzt froh, dass ich ihn doch gelesen habe. Der Audiobeitrag war ne prima Ergänzung. Ein sehr interessantes Portrait!
    LG
    Markus

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