Sind Behinderte die besseren Arbeitnehmer?

Wer an guter Arbeit und Ergebnissen interessiert ist, sollte nicht zuerst über Behinderungen nachdenken. Die entscheidende Frage lautet: „Was muss der Mensch können, der diese oder jene Position bekleiden soll?“ Es geht um Fähigkeiten. Das benachteiligt Behinderte wie Nichtbehinderte gleichermaßen. Denn niemand ist perfekt.

Man hört immer wieder, dass es Arbeitgeber gibt, die Behinderte nicht gerne einstellen. Als müsse sich, wer dies tut, mit schlechteren Arbeitskräften zufrieden geben. Sicher, man sollte Schwerhörige nicht in ein Call-Center setzen, Gehörlose vielleicht keine Kampfjets fliegen lassen, einen Rollstuhlfahrer eher nicht als Tierarzt auf die Weide schicken. Und Blinde vielleicht nicht unbedingt als Dekorateur engagieren. Das würden die meisten vermutlich selbst nicht wollen. Aber sonst?

Einschränkungen machen Behinderte zu Spezialisten

Wenn Behinderten eine „geringere Leistungsfähigkeit“ bescheinigt wird, verdeckt dies oft nur die Folgen einer Fehlbesetzung: Es wird nicht zu viel, sondern das Falsche verlangt – im Grunde nicht viel anders, als würde man einen Arzt für den Bau neuartiger Solarzellen einsetzen. Denn Menschen mit Behinderungen sind aufgrund ihrer Einschränkungen spezialisierter als andere. Manchmal haben sie sogar gerade wegen ihrer Einschränkungen besondere Kompetenzen: Ich selbst zum Beispiel höre schlecht und bin darum Fachmann für Kommunikation, alles was darin schiefgehen kann und wie man dies vermeidet.

Um die Stärken von Spezialisten auszuspielen, kommt es auf passgenaue und sorgfältig ausgearbeitete Stellen- und Fähigkeitsprofile an. Alles andere bremst sowohl Unternehmen als auch Menschen aus – in Erfolgen, Karriere und Wohlbefinden. Auch dies gilt für Behinderte wie Nichtbehinderte gleichermaßen.

Im Probleme lösen sind Behinderte geübt

Doch vom Können mal abgesehen: Menschen mit Behinderungen sind gewohnt, Probleme zu lösen und sich mehr als normal anzustrengen. Sie kennen ihre Grenzen gut, allzu gut. Behinderung schult im Umgang mit Suboptimalitäten und ständigen Unwägbarkeiten. Es wird zum täglich Brot, sich beweisen zu müssen – aber auch zu scheitern, daraus zu lernen und dennoch weiterzumachen.

Könnte es nicht sein, dass Behinderte oft sogar die besseren Arbeitnehmer sind? Weil sie quasi von Haus aus vieles von dem mitbringen, was man neben der fachlichen Qualifikation noch braucht, um erfolgreich zu sein? Und das auch noch ohne dafür mehr Lohn zu verlangen.


Alexander Görsdorf lebt in Berlin und schreibt das Blog Not quite like Beethoven.

32 Antworten auf Sind Behinderte die besseren Arbeitnehmer?

  1. studentin sagt:

    zum thema warum behinderte kaum studieren: ganz einfach das arbeitsamt fördert und unterstützt behinderte nur wenn sie eine Arbeitsausbildung machen. ein studium ist ja keine ausbildung wonach man danach arbeiten könnte … ganz toll deswegewn sind alle akademiker abreitslos vorsicht sarkasmus -.- desweiteren wie schon gesagt wurde, man muss in ein internat gehen um überhaupt ein faires abitur machen zu können, bis letztes jahr gab es noch die sonderschuldpflicht für behinderte. ich hatte schon probleme die grundschule zu besuchen obwohl ich keinerlei umbauten benötigt habe! und ja ich studiere und zahle meine taxikosten selbst, und habe keine assistenz weil ich sie mir nicht leisten kann, das ist verdammt anstrengend aber dank lieber kommilitonen machbar. dennoch werden behinderte die studieren wollen in deutschland in keinster weise unterstützt und ihnen werden steine in den weg gelegt, es kann ja wohl nicht sein das bei einer ausbildung fahrdienst, assistenz gezahlt werden, und bei einem höhreren Bildungsabschluss nichts. das ist das allerletzte… ich will keine sonderrechte, aber gleichberechtigung wie jeder andere auch. jeder hat das recht aus bildung

  2. Hartmut sagt:

    Wheelies and taube Menschen haben verschiedene Anstellungsprobleme. Die ersteren haben keine, wenn die Arbeitsplaetze alle auf dem Erstgeschoss oder per Aufzug erreichbar waeren. Fuer taube Bewerber muessen Anpassungsveraenderungen vorgenommen werden, oder sie bleiben auf der Unterstufe stehen und werden nie befoerdert.

    Ich habe darin meine Erfahrungen, wie ich in meinen Befoerderungen uebergangen wurde.

    Hartmut

    .

    • Michaela sagt:

      Ich selbst bin psychisch behindert, mir wurde aber versichert, dass ich wichtig und wertvoll für meine Arbeit in einer Einrichtung für psychisch behinderte junge Erwachsene, die ins Leben integriert werden wollen und die wir unterstützen auf dem Weg dorthin, bin solange ich gesund bin. Das gibt mir Mut bald wieder zu gesunden und auf mich zu achten. Ich liebe meine Arbeit, wenn ich auch nicht mein leben lang das gleiche machen will. Ich finde Veränderung schön und spannend, aber solang ich finanziell nicht abgesichert bin, kann ich leider keine größerern Sprünge wagen. Mein Hobby: Menschen kennen und verstehen lernen, dafür muss ich mir meine Behinderung mal wiede raus dem Weg schaffen und gesund werden. Da ich nur 6 Stunden am Tag arbeite, habe ich viel freie Zeit auch ausserhalb meiner Arbeit Menschen kennenzulernen:-)

  3. Pingback: Der gehörlose Vorsitzende (alternate Version) | Not quite like Beethoven

  4. Ich habe auch Rechte sagt:

    Ich beschäftige mich seit ca. 1 Woche wirklich intensiv, mit den Gesetzen für Behinderte im Arbeitsleben und mir koch das Blut langsam, ein Ausweis kann einem Türen öffnen im öffentlichem Dienst und ich bin so blöd bis jetzt gewesen und war stolz drauf meine Krankheiten ohne diese Vorteile zumeistern und so weit zukommen.

    Und jetzt muss ich immer wieder lesen und mir anhören, Menschen mit einem Ausweis haben es schwieriger, darum bekommen sie vor dem Gesetz mehr Rechte.

    Hallo was soll das, sollte nicht die Leistung zählen? Menschen die einen Ausweis haben, denken sehr oft, sie haben das Leid erfunden und sie leiden alleine unter der Ungerechtigkeit der Welt und unter Vorurteilen.

    Ich bin die letzten Tage so vielen Vorurteilen von Menschen mit diesem Ausweis begegnet, wie schon lange nicht mehr.

    • Ganz genau, zählen sollte die Leistung. (Im positiven Sinne, so wie ich das oben im Artikel dargelegt habe.)

      Das deutsche Modell des Behindertenausweises verteilt in der Tat recht pauschal ein paar Standardvergünstigungen. Tut mir leid, dass Sie da anscheinend so schlechte Erfahrungen machen mussten. Und ich kann es auch gut nachvollziehen, so einen Ausweis (und die damit verbundene Zuschreibung “schwerbehindert”) nicht zu wollen. Mir persönlich gefällt auch das besser, was ich zB vom britischen Modell höre (kein Sonderstatus, nur einzelne Hilfen, die man eben braucht).

      Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, ich habe es bisher noch nicht so wahrgenommen, dass man mit so einem Ausweis tatsächlich massive Vorteile bei Bewerbungen hätte. Oder überhaupt Vorteile. Diese Auswahlentscheidungen sind ja oft sehr komplex. In welchem Bereich des öD war das denn?

  5. Allegria Alterna sagt:

    Guten Tag,
    mein Kommentar:
    Warum sollten Sie? Allein die Fragestellung ist in meinen Augen diskriminierend und die Struktur der Argumentation ist es auch. Ich habe z.B. unter behinderten Menschen genauso viele Problemlöser kennengelernt, wie unter nichtbehinderten. Durch die Verallgemeinerung und Heraushebung vermeintlicher Stärken in Abgrenzung zu nichtbehinderten Menschen wird letztlich die Forderung “legitimiert” mit der Behinderung müßte so umgegangen werden, dass sie nicht auffällt, schlimmer noch: dass Menschen mit Behinderung (hier als Arbeitnehmer) besser sein müssen wie die ohne Behinderung.
    Ich glaube, dass der Autor es gut meint. Das macht es nicht besser. Brauchen Menschen mit Behinderung solche Art Fürsprache wirklich?

    • Guten Tag ebenfalls,
      ich muss sagen, mich freut, dass endlich auch mal Widerspruch kommt. Danke dafür!
      Denn ich muss zugeben, die titelgebende Frage sollte ein wenig provozieren und wählt deswegen grobe und einigermaßen ironische Worte. Spätestens wenn man den Text liest, sieht man aber (hoffe ich zumindest): Die Antwort, die ich gebe, ist weder ja noch nein, sondern dass man auf die Fähigkeiten jedes Einzelnen schauen sollte. Des Einzelnen, nicht “in Abgrenzung zu nichtbehinderten Menschen”. Darum verstehe ich auch nicht, wie sie darauf kommen, was ich sage legitimiere, dass Behinderungen versteckt werden und Menschen mit besser sein müssten als solche ohne.
      Ich würde mich freuen, wenn Sie mir das noch einmal erklären könnten.

  6. Damaris Pfromm sagt:

    Hallo!

    Es ist interessant zu lesen. Ich bin auch hörgeschädigt und trage 2 Hörgeräten auf meine beiden Ohren. Zur Zeit lebe ich vom Hartz 4. Ich bin alleinerziehend und habe 2 hörenden Söhne im Alter von 8 und 10 Jahren. Nach meinem mittleren Reife-Abschluss suchte ich jahrelang nach einer Ausbildung und habe mich in vielen verschiedenen Ausbildungsrichtungen beworben, bekam immer wieder die Absagen. Ohne Erfolg. Irgendwann gab ich auf. Die Zeit verging wie im Flug. Ich sah keine Chance auf eine Ausbildung zu ermöglichen, da ich über 30, alleinerziehend und schwerbehindert bin. Da ich ohne Ausbildungsabschluss habe, ist es sauschwer einen Arbeitsplatz zu finden. Für viele Frauen, die gerade alleinerziehend und schwerbehindert sind, leiden viele unter Armut und Depression. Sie kämpfen täglich ums Brot. Das ist nicht zu verspassen. Leider schicken die Arge ihr zu einem schlechten und billigen Arbeitsplatz, obwohl seine Behinderung nicht dafür kann. Die Arge behandelt sich oft wie einen Versuchskaninchen. Tut mir leid, daß meine Wut und Frust ausdrückt. In derzeit bin ich überunglücklich und musste mich in Not als Raumpflegerin beschäftigen.

    Verzweilte Mutter
    Damaris

    • Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, dass sich Ihre Wut und Ihr Frust ausdrücken! Ihres ist ein hartes Los. Ich wünsche Ihnen, dass sich Ihnen eine Tür öffnet, vielleicht auch eine ganz unerwartete.

    • Der im Kreis dreht sagt:

      Ich kann Sie an deiner Stelle voll mittfühlen mit Frust, Ärger und Hilflosigkeit.
      Ich bin Hörbehindert und bewege wie im Kreisverkehr und ich finde kein Ausfahrt. Es wird so viel blumig Schönes geredet. Die Behörden und Unternehmer haben eigene Gesetze.
      Für das Recht auf Behinderung anzukämpfen, ist da für uns die Nummer zu groß.

  7. Patrick Hinternberger sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Ich möchte meine Meinung dazu äußern dass behinderte NICHT vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden Sie sollen genauso arbeiten wie alle anderen Menschen denn behinderte haben genauso alle Rechte wie alle anderen Menschen auch. Sie sollen eine gerechte bezahlung bekommen wie alle anderen.

    Sehr hochachtungsvoll
    Patrick Hinternberger

  8. Hallo,

    also ob Behinderte die besseren Arbeitnehmer sind möchte ich nicht beurteilen. Ich persönlich wäre schon froh, wenn wir nicht automatisch aufrund der Behinderung als schlechter gesehen würden! Ich persönlich stecke da in einer doppelten Klemme:
    Einerseits habe ich das Glück das meine Behinderung (ich bin Autist) erst einmal nicht sichtbar ist und keine kostenintensiven Investitionen zwingend (Umbau, Rampen etc.) erfordert. Verschweige ich meine Behinderung führt das aber auf Dauer zu Überlastungen die der Arbeitsfähigkeit nicht zuträglich sind.
    Andererseits, und hier liegt das teuflische, gebe ich meine Behinderung an sehe ich mich mit einer Masse an Vorurteilen zum Autismus konfrontiert. Autisten traut man nichts zu, evtl. Stärken sind nicht bekannt und letztendlich sehen Menschen die noch nie mit einem Autisten zu tun hatten einen schauckelnden und nicht sprechenden Raymond aus “Rain Man” :/
    Gebe ich bei Bewerbungen also die Schwerbehinderung nicht an laufe ich Gefahr das ich mich auf Dauer selbst zerstöre. Gebe ich den Autismus/die Behinderung wahrheitsgemäß an: Bin ich Chancenlos.
    Dazu kommt, und hier trifft die Frage nach studierenden Menschen mit Behinderung besonders, dass ich aufgrund meines Autismus länger studiere als “üblich”. Für mein Diplomstudium habe ich 10 Semester (anstelle von 8) gebraucht, meinen Master hätte ich in 2-4 abschliessen können. Ich werde aber, weil es mir derzeit nicht gut geht, wahrscheinlich 8 Semester brauchen.
    Und damit habe ich noch weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer stellt schon einen Studenten ein der die doppelte bis vierfache Studienzeit benötigt? Ich MUSS diesen “Makel” auf jeden Fall erklären, ob ich will oder nicht :/
    Da ist ein Abschluß mit <1,5 auch keine Rettung mehr.
    Wer an der Thematik Autismus oder einfach nur an meinen Erfahrungen interessiert ist kann mir gerne auf Twitter (@Querdenkender) folgen. Im Moment schreibe ich auch Gastbeiträge in einem Blog ( http://realitaetsfilter.wordpress.com/2011/01/31/autismus-leben-in-zwei-welten-und-zwischen-zwei-sthlen/ ) zu Autismus und der Gesellschaft. Alleine um zu zeigen das auch Autisten etwas leisten können, wertvolle Menschen sind und um Vorurteile und Diskriminierungen abzubauen!

    Grüße

    Querdenkender

    • Danke für den Kommentar! Das Dilemma Behinderung angeben zu müssen, damit aber Chancen zu schmälern hat mich auch beschäftigt. Ich habe da keine Lösung für. Denke aber: Vielleicht ist Eigeninitiative, Recherchieren, Netzwerken und schließlich initiativ bewerben wenn man schon persönlich bekannt ist, da tatsächlich die aussichtsreichere Art der Jobsuche. Und nicht, sich auf Ausschreibungen bewerben.

  9. Pingback: Betriebsrat Blog » Kein Mensch ist perfekt, schon gar kein Arbeitnehmer | ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten

  10. Christiane sagt:

    Alex hat mich gebeten, etwas zu der Frage nach dem niedrigen Bildungsstand in der Gruppe behinderter Menschen zu sagen und woher dieser kommt. Ein Grund ist sicherlich die fehlende schulische Integration. Es gehen in Deutschland immer noch etwa 80 Prozent aller behinderten Kinder und Jugendliche in Sonderschulen. Viele dieser Sonderschulen (z.B. Körperbehindertenschulen) bieten gar kein Abitur an. Sonderschulen, die Abitur anbieten, sind oft Internate. Die Kinder müssen aus den Familien raus, um Abitur zu machen. Ein, wie ich finde, unhaltbarer Zustand, der nur mit schulischer Integration aufgehoben werden kann. Hinzu kommt, durch diese schulische Aussonderung fehlen Vorbilder. Ich habe mich immer an meinen nicht behinderten Klassenkameraden orientiert, die selbstverständlich einen guten Beruf wollten und eben auch teilweise studieren wollten.
    Wer dann doch schafft, Abitur zu machen, kommt an der Hochschule an und hat bei weitem mehr zu leisten als die nicht behinderten Mitstudierenden. Die Unis erwarten einen ja nicht mit offenen Armen, sondern es müssen Vorlesungen verlegt werden, Dolmetscher gebucht werden, Assistenz organisiert werden etc. Das ist eine enorme Mehrbelastung, die meiner Erfahrung nach nur Studenten schaffen, die nicht auch noch sonst Probleme mit dem Studium haben. Mittelmaß und Behinderung geht an der Uni nicht zusammen, das ist meine Erfahrung. Fair ist das natürlich nicht, denn jeder mittelprächtige Student, der nicht behindert ist, würde das Studium unter Umständen packen.

  11. Pingback: „Gibt’s da auch was ohne Telefon?“ — Zur Berufswahl und Studienwahl für Hörbehinderte | Not quite like Beethoven

  12. meridian sagt:

    Vielen Dank für die Aufnahme des Themas! Ich als Schwerbehinderte bekam von einem früheren Arbeitgeber lächelnd gesagt, dass Behinderte ja laut Statistik einen sehr geringen Krankenstand hätten… Da war mir klar, das meine Einstellung nicht etwa aufgrund meiner Kompetenzen erfolgt war. Sondern wegen der Fördermittel vom Arbeitsamt. Und gleichzeitig weil er damit kalkulierte, dass Behinderte einen Arbeitsplatz unbedingt behalten wollen bzw. müssen und alles einsetzen, auch die Restgesundheit, um diesen Arbeitsplatz zu behalten.

    • Oje. Wenn das alles so ist, wie sie vermuten, dann ist das wirklich kein Ort, an dem man arbeiten sollte. Ich hoffe, Sie konnten inzwischen zeigen, dass man sich auch als Schwerbehinderte vorbehält zu gehen wenn man schlecht behandelt wird.

    • Tobias Georgi sagt:

      Also ich studiere derzeit Personalmanagement und sehe die finanzielle Förderung eher als einen Vorteil für euch, ebenso bei Langzeitarbeitslosen. In nahezu allen Branchen mit internationalem Wettbewerb muss man die Kosten knallhart kalkulieren und so kostet ein Rollstuhlfahrer bspw. Geld, weil er einen Fahrstuhl benötigt, um die Treppen zu seinem Büro heraufzusteigen oder Zeit (und damit Geld), weil er nicht schnell mal wohin rennen kann. Durch die Förderung kann dieser Kostennachteil allerdings ins Gegenteil umgewandelt werden und ich hätte vor meinem Boss eine gute Begründung, einen Behinderten einzustellen. Sollte die Förderung später irgendwann auslaufen, wäre es egal, denn der neue Mitarbeiter wäre schon angelernt und ist bereits im Unternehmen integriert. Wenn ihr einen geringeren Krankenstand habt und eine höhere Motivation bei einer fairen Chance, so ist das doch nur positiv.

    • Freut mich sehr, dass Du Dich als angehender Personalmanager für das Thema interessierst! Was meridians Fall angeht — man weiß es nicht. Wir haben nur diesen einen Kommentar, wie und was gelaufen sein könnte.
      Ansonsten: Selbstverständlich muss kalkuliert werden! Und selbstverständlich ist es gut, dass es für Dinge wie notwendige Umbauten oder Assistenzen Förderung gibt. Das ist aber für Behinderte kein Vorteil, sondern nur ein Nachteilsausgleich (manchmal sogar nur ein Nachteile-etwas-Verringerer). Damit sie besser mit ihren Fähigkeiten punkten können. Wenn das Unternehmen oder andere Mitarbeiter nebenbei noch Vorteile davon haben (weil sie letztlich weniger Gehalt zahlen müssen oder auch Aufzugfahren können) — umso besser. Was anderes als nebenbei kann ich mir ehrlich gesagt aber auch nicht (dauerhaft) vorstellen, denn das würde ja bedeuten, dass ein Unternehmen seine Mitarbeiter nicht nach Fähigkeiten auswählt (obwohl es genauso oben beschrieben wurde).

    • Tobias Georgi sagt:

      Schlussendlich gibt es viele Hürden, Behinderte einzustellen, schließlich gibt es auch genügend gesunde Arbeitssuchende, die genauso gerne arbeiten möchten. Verbessern könnte sich die Situation aber ab 2015, wenn mehr Arbeiter in den Ruhestand gehen, als Absolventen Hochschulen verlassen bzw. Lehren abschließen. Eine Sache würde mich aber schon brennend interessieren und vllt. kannst du mir das ja verraten. Weißt du, warum so wenige (physisch) Behinderte einen Hochschulabschluss machen? Wenn durch eine Behinderung so wichtige Punkte, wie die Partnersuche oder der Alltag so erschwert sind, dann müsste doch sowohl das Durchhaltevermögen stärker sein, als auch der Wille, sich wenigstens im Berufsleben nach oben zu orientieren.

    • Nun, ein Studienwunsch entsteht ja nicht einfach nach dem Modell “Druck in der Flasche” (wenn zwei Ausgänge zu sind drückt es halt akademisch nach oben).
      Ansonsten: Ich weiß gar nicht, ob von dieser Gruppe so viel weniger als Nichtbehinderte ein Studium beginnen und ob die Abbrecherquote so viel höher ist als bei diesen. Kennst Du da Zahlen oder Fälle? Oder jemand anders?
      Ich würde gern mehr wissen, bevor ich anfange herumzuspekulieren, dass Leute, die sich von klein auf mit Körperbehinderungen herumschlagen, vielleicht doch eher kurz gehalten als gefördert und ermuntert werden.

    • Tobias Georgi sagt:

      Mir ist zumindest keine Person, bekannt, welche behindert ist und dennoch studiert. Einen Fall kenne ich, wo eine Rollstuhlfahrerin als Schülerin von einer Schule abgelehnt worden war, weil diese nicht laufen konnte und damit immer den Fahrstuhl blockieren würde, den ja auch gerne die Lehrer nutzen möchten, z.B. um Laserprojektoren zwischen den Etagen zu transportieren. Allerdings erhielt die Schule ja extra für den Umbau Fördermittel vom Freistaat. Die Schülerin wendete sich darum an die nächsthöhere Stelle und kam nun doch in die Schule, aber ihre Noten im mündlichen, wo man subjektiv beurteilen kann, hatten eine starke Abweichung zu den objektiv zu bewerteten schriftlichen Prüfungen. Diese ganze Geschichte war für sie ein Hindernis nach oben.
      Zahlen habe ich leider keine, nur meinen subjektiven Eindruck und eben diesen einen Vorfall. Nur dachte ich, dass das ja nicht überall der Fall sein kann.

  13. Sven sagt:

    Aus dem Bauch heraus kann ich mir nicht vorstellen, dass es (im Mittel betrachtet) auf eine gleiche Entlohnung hinausläuft. Ich glaube aber auch nicht, dass dies ein wichtiger Punkt ist, sondern vielmehr zählt, dass sich jemand gebraucht fühlt. Etwas nützliches zu tun (oder die Chance zu bekommen, etwas tun zu dürfen) ist manchmal wichtiger als Vergleiche anzustreben.

    • Ich denke, Du hast recht, für einen persönlich macht sich ständig vergleichen eher unglücklich. Und wenn man jemand (per Job) das Gefühl gibt, gebraucht zu werden oder was Nützliches zu tun, ist das viel wert.
      Das ist aber auf der persönlichen Ebene. Politisch, also mit Blick aufs Ganze, finde ich es schon wichtig ob da systematische Unterschiede sind und, wenn ja, woran das sie liegen.

  14. Pingback: Kein Mensch ist perfekt » nischenThema

  15. creezy sagt:

    Guter Artikel, Alexander, danke! Wobei ich bei dem Schlusssatz „Und das auch noch ohne dafür mehr Lohn zu verlangen.“ gerade tief atmen musste. Tut es bitte künftig!

    Aber da schleicht sich natürlich sofort die nächste gemeine Frage in den Vordergrund. Wie sieht eigentlich das Gehaltsverhältnis hinsichtlich der sog. Gleichstellung in Deutschland aus? Gibt es da Untersuchungen? Werden Behinderte gerecht und gleich bezahlt hinsichtlich ihrer Qualifikation im Vergleich?

    • Ich glaube, die Frage ist: Was genau ist jeweils die Qualifikation? Das muss man ja wissen, wenn man vergleichen will. Wenn man nur den formalen Bildungsabschluss nimmt, würde ich schon vermuten, dass viele Behinderte schlechtere Jobs/Bezahlung haben. Aber Qualifikation erschöpft sich ja nicht darin, da muss man schon genauer hingucken. Genau das würde ich von Arbeitgebern wie -nehmern fordern.

      Belastbare Untersuchungen und Zahlen kenne ich leider keine. Vielleicht liest hier jemand mit, der oder die helfen kann?

  16. Pingback: Noch einmal: Sind Behinderte die besseren Arbeitnehmer? | Not quite like Beethoven

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