Hendrik ist schon acht Jahre, weil er die erste Klasse wiederholt. Das Lesen klappt einfach nicht. Er spricht die Buchstaben einzeln oder zu zweit hintereinander. Das Wort Vorlesen klingt so: „Voo-lea-ss-nn“. Bei Hendrik klingelt nichts, er erinnert sich innerlich nicht an den Klang der Wörter. Weil ihm nicht vorgelesen wurde. Dem Kleinkind und dem Schulstarter nicht, dem nun unter Legasthenie-Verdacht stehenden Wiederholer auch nicht.
Einmal pro Woche gehe ich zur Leseförderung in eine Grundschule. 45 Minuten Einzelförderung, besser als nichts. Hendrik ist mein Stammkunde. Sein Klassenkamerad Lasse macht jetzt deutlich Fortschritte. „Ich lese abends immer Märchen, aus einem dicken Buch“, berichtet er stolz. „Bin schon auf Seite 27.“ Auch Lasses Eltern üben nicht mit ihrem Kind.
Spielerisch die Welt der Buchstaben erschließen
Wir erfinden kleine Spiele: Ein Wort im Satz zudecken. Plötzlich steht da etwas Neues, Lustiges. Lesen mit der Stoppuhr. Eine Woche später sagt Lasse: „Ich habe geübt. Mit meinen Freunden: Spielkarten vorlesen.“ Liebe Grundschullehrer, Lasses Leseförder-Tipps sind Tipps eines betroffenen Kindes, so etwas gibt es nicht an jeder Ecke.Â
PS: „Schenken Sie Ihren Kindern schlaue Eltern. Lesen Sie die Süddeutsche.“ Ein wunderbarer Satz. An alle Papas die KICKER oder Bild lesen: Jede Zeitung eignet sich zum Vorlesen. Laut, gemeinsam, spielerisch. Lesen ist wie Schwimmen lernen: Es gibt Kinder, die kriegen die Kurve im Wasser so selbstverständlich wie beim Übergang vom Laufrad aufs Fahrrad. Lasse liest jetzt wie ein Fisch im Wasser.



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Ich habe meinem kleinen Bruder viel vorgelesen. Der ist jetzt in der 2. und liest unserer Schwester vor, die ist drei. Mathilde mag auch schon Hörbücher, besonders im Auto. So hören wir gerade das ganze alte Baby-Zeug (z. B. Petterson, Conny lernt schwimmen). Das nervt uns, aber Mama sagt dan immer: Als Du in dem Alter warst fandest Du das auch toll. Julius (10)
Ich habe unseren beiden Kindern unendlich viel vorgelesen, mehrfach täglich! Wir sehen wenig und ausgewählt fern.
Der Große hat eine ausgeprägte Lese-/Rechtschreibschwäche, der Kleine nicht.
Beim Kinderarzt neulich erhielt ich für meine Dreijährige eine Broschüre mit Lesefutter. Das Problem ist ernst, zuviele Eltern denken, Fernsehen würde es auch tun. Irrtum.